1.     Überblick

Der Grand Master Cup GMC wurde nach dem großen Erfolg der ersten Auflage in Finnland 2019 zum zweiten Mal veranstaltet. Diesmal waren die Schweden Gastgeber, startberechtigt waren wieder aller Eissegler mit 60 Jahren oder mehr, gestartet wurde mit einem Fuß auf der Planke durch Kicken.

Besegelbares Eis wurde auf dem Orsasjön-See gefunden, Provinz Darlanas, auf etwa 61 Grad N. Selbst die Schweden waren hier vorher noch nie gesegelt, da in „normalen“ Wintern hier hoher Schnee liegt (der Wasa-Lauf findet ganz in der Nähe statt). Diesmal gab es glattes 15-20cm dickes Eis, das tagsüber antaute und nachts wieder überfror – sehr schnell.

2.     Anreise

Aus Berlin brachen in den hohen Norden drei Eissegler auf: Manfred G-958, der nach 30 Jahren Pause wieder Regatta segelte und sich mehr als achtbar schlug

 

Knut G-896 mit seiner ganzen Erfahrung aus 20 Jahren Eissegeln

und Henning G-21, der seit zwei Jahren Regatten segelt, sich noch auf dem Punkt der Lernkurve mit der größten Steigung befindet und als letztplazierter Deutscher das Vergnügen gewann, diesen Bericht zu schreiben

.

Ergänzt wurde diese Truppe noch durch Holger G-890

und Jörn G-580.

Andere gemeldete deutsche Segler mussten aus persönlichen Gründen absagen oder zogen zum Reschensee, um den Deutschlandcup auszusegeln.

Knut und Henning fuhren mit dem Equipment in Dirks G-136 tollen Trailer ganz entspannt am 16.01. nach Rostock,

von dort mit der Nachtfähre nach Trelleborg und dann 760 km nach Norden bis Orsa. Unsere Gesichter wurden immer länger, je weiter hier nach Norden kamen: braun-grüne, frühlingshafte Landschaft, Seen mit friedvoll plätschernden Wellen, von Eis keine Spur.  Um so größer die Erleichterung, als wir nach mehr als 9 Stunden Autofahrt  in Orsa ankamen: eine geschlossene Eisfläche war in der frühen Dunkelheit gerade noch zu sehen und die einige Schlitten auf dem Eis. Wir hatten eine Hütte mit Kamin auf dem Platz von Orsacamping gebucht, ideal gelegen, keine 100 m vom Takelplatz.

Neben Seglern aus Schweden, Dänemark, Estland, Finnland, Schweiz, England und einem ersten Eissegler aus Neuseeland, war eine starke Truppe aus Polen um Karol P-36 gekommen, die hier vor allem trainieren wollten, dabei auch einige polnische Iceopti–Segler.

Medial begleitet wurden die Wettfahrten durch Gilles Morell, einen französischen Sportfotografen https://www.gillesmorelle.com/ , der fantastische Bilder machte und Börn Kurtenbach, der für den NDR einen Beitrag zum GMC drehte, der im „Ostseereport“ im Februar ausgestrahlt werden soll.

3.     Ranglistenregatta

Die Race Area war durch Cracks und eine Borste leider etwas eingeschränkt. Löcher und Spalten wurden durch Fahnen gekennzeichnet, eine sichere Durchfahrt über den von N nach S verlaufenden Crack gekennzeichnet

(leider fand die Race Crew noch ein weiteres Loch und versenkte einen Regattatrailer  mit Material auf 15 m Tiefe).

Wir hatten uns vorgenommen, an den für das Wochenende angesetzten schwedischen Ranglistenregatten R3 und R4 teilzunehmen. Wegen alles durchnässendem Regen und schwachen Wind starteten wir am Samstag nicht, R4 wurde am Sonntag durch die Race Crew gestrichen.

Bei tiefstehender Sonne zerlegte Holger an einer Borste seinen Schlitten, brachte das Material an Land, raste zum Baumarkt, kaufte kurz vor Ladenschluss zu Apothekerpreisen Epoxi, reparierte seien Schlitten bis spät in die Nacht in einer warmen Hütte und war am nächsten Morgen wieder startklar, Es spricht für seine Klasse als Bootsbauer und Eissegler, dass er dann nach harten Fight mit dem Vorjahressieger Jean-Claude Z-39, denn GMC gewann und zusammen mit Jörn auch noch den Teampokal! Die Schweden schrieben hochachtungsvoll  „The winner of the Grand Masters Cup 2020 is german DN ace G-890 Holger Petzke!”. Aber ich greife vor.

4.     GMC

Wie es sich für den GMC gehörte, schlug dann das Wetter um zu Sonnenschein, leichten Plustemperaturen tagsüber und wenigen Minusgraden nachts. Das Regenwasser war durch Cracks und Löcher abgelaufen und so bildete sich eine wunderbare Oberfläche ohne Doppeleis. Am Montag drehten wir einige Trainingsrunden um die aufgestellten Tonnen, am Dienstag wurde es nach dem Skippermeeting ernst. Drei Wettfahrten wurden bei drehendem und  unstetem Wind gesegelt, die sehr engagierte Race Crew – noch in der Findungsphase – passte die Startlinie nur zögerlich an und wertete auch schon mal überrundete Segler auf die vorderen Plätze. Die meisten dieser „Glücklichen“ bewirkten aber eine Korrektur, so dass halbwegs plausible Ergebnisse zu Stande kamen.

Die dritte und letzte Wettfahrt des Tages wurde durch eine Winddrehung von 90 Grad und unveränderte Startlinie nachgerade gefährlich: mit halbem Wind zur „Luvtonne“ hoch, Halse und dann auf direktem Weg zur „Leetonne“; wurde ganz schön eng.

In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch frischte der Wind weiter auf, stieß einige Schlitten von den Böcken und veranlasste die Race Crew, die Wettfahrten für diesen Tag abzusetzen. Bei den dann gesegelten Trainingsraces stellten sich allerdings ideale Eis- und Windbedingungen ein, aber die Absage für diesen Tag war nicht mehr korrigierbar.

Am dritten Tag wurden noch vier schöne reguläre Wettfahrten gesegelt z.B. so

bis der Wind dann gegen Mittag einschlief. Die Resultate der deutschen Segler:

1. Holger G-890 und damit Grand Grand Master

12.  Jörn G-580

19.  Knut G-896

22.  Manfred 958

25.  Henning G-21

Teampokal an Deutschland mit Holger und Jörn. Super Ergebnis!

Alle Ergebnisse hier https://drive.google.com/file/d/1JvP5oE3FiK94FfjSa9toAbT97KVfOSpv/view .

 

Holger kann den Titel nächstes Jahr nicht verteidigen, da er in den USA segeln will; gute Chancen also für uns anderen!

5.     Technische Hinweise

Wie immer bei diesen Eissegelregatten waren die sozialen Kontakte  und die technischen Fachsimpeleien viel mehr als nur schmückendes Beiwerk.

Karol, Holger, Jean-Claude und alle anderen beantworten geduldig alle Fragen bis hin zu, welche Kufen mit welchen Schliffwinkeln sie

verwandten (Karol  z.B. 100 Grad bei den beiden Plankenkufen, 97 Grad beim Steuerläufer) und halfen beim Grundtrimm der Schlitten.

Was ich so aufgeschnappt habe:

Karol fährt eine sehr kurze Schot und führt das Ende durch eine Bohrung in der Fußstütze; dadurch hält er das Cockpit frei.

Er empfiehlt – konträr zu anderen Meinungen, die ich gehört habe – den Großbaum über die Gabel leicht auf den Mast drücken zu lassen , um die Rotation zu unterstützen „Nur Friseure ziehen an den Haaren“ oder so ähnlich äußerte es sich. Beim Power Gold sollen mindestens 28 cm Abstand bestehen gemessen zwischen der Oberkante Schot im hintersten oberen Block zu Unterkante Schot im hintersten unteren Block.

Intensiv begutachtet wurde sein neues Power Gold im Radialschnitt. Es weist das gleiche Profil auf wie das herkömmliche Power Gold, ist aus einem zulässigen, sich aber eher wie Laminat anfühlenden Segeltuch gefertigt und soll das hinein konstruierte Profil zuverlässiger und länger halten: sicherlich eine spannende Entwicklung.

Von Holger habe ich u.a. gelernt, dass man eine höhere Mastbiegung – wenn die Zeit fehlt, die Mastkugel nach vorn zu verstellen – auch durch Lockern der Wanten erreichen kann: der Mast kippt etwas, der Winkel zwischen Mast und Luvwant verringert und der Stauchdruck erhöht sich mit der Folge, dass der Mast stärker biegt.

So gab es, gerade für mich Anfänger, viele Supertipps, die neben dem Trainingseffekt durch die Wettfahrten einfach mehr Sicherheit und Geschwindigkeit bringen. Herzlichen Dank!

 

 

Henning G-21

 

6.     Weitere stimmungsvolle Bilder

Ohne Worte

   

Bilder von Gilles Morelle mit seiner Erlaubnis (vielen Dank!)

Eigene Handyfotos