Die Jungfrau von der Schlei

Als unser Kleiner Pönitzer See am letzten Wochenende uns schon am Samstagmittag im Stich ließ und etwa 1/3 unseres Eises nach einem kapitalen Riss auf die Reise ging, tat es fast körperlich weh, die Schlitten abzubauen. Es kommt doch noch der Sonntag, -7° und Wind, was tun? Unsere Rettung war Manfred G99. „Ich segle morgen vielleicht vor der Haustür!“ Was? Die Schlei hat Eis???

                    

Mark und ich überlegten nicht lange, egal, ob es dort zum Segeln nun reicht oder nicht (was ja nicht klar war), wir schauen uns das dort einfach mal an, damit wir mal wissen, wo die anderen sonst so segeln. Gesagt gepackt. Kinder, wollt Ihr mit? „Gibt´s da W- lan?“ Okay, Ihr bleibt hier. Sind ja alt genug, die W-Lans.

Nach kurzer Anreise am Sonntagmorgen kamen wir auf Grund von Manfreds gutem Draht zum ortsansässigen Fischer direkt bis ans Eis auf eine Wiese, auf der sich bereits Sven und Gitta, Manfred, Henning und einige andere Locals tummelten, später stieß noch Lumpi Leuchtschlitten dazu. Eis gecheckt, naja, nachdem´s am Vorabend noch recht kritisch war, befand man 8cm Schneeeis für nicht perfekt, aber ausreichend. Der Wind kam genau entlang der Fahrrinne, also perfekt zum racen. Ein paar Schneepads und Maulwurfshügel aus Eis waren auch dabei, aber kein Problem. Na, das verhieß doch schon mal ein guter Segeltag zu werden.

Eine!! Wendemarke wurde in Luv ausgebracht, des Weiteren fuhr man in Lee um ein festes Seezeichen, wie es so schön heißt- eine etwa 2m hohe, fette rote im Eis eingefrorene Fahrwassertonne! Also schnippeln war da nicht angesagt. Nach ein paar Trimmfahrten von nun insgesamt um die 12 Schlitten zurück am Takelplatz kam die Ansage: „Es ist soweit, bei so viel Teilnahme wird nach langer Zeit der Eisdürre endlich wieder um die sagenumwobene „Jungfrau von der Schlei“ gesegelt!“

Zeitgleich erschien die überaus sympathische Ingela, Gittas Schwester, auf dem Eis um sich sogleich bereit zu erklären die Startung und Zeitung am Start und Ziel zu übernehmen. Außerdem stammen von ihr die schönen Bilder. Vielen Dank an dieser Stelle für die Ausdauer im kalten Wind.

                                

Gestartet werden sollten sieben Läufe, der Wind war sehr ruppig, Speed und Full Power- Segel waren beide vertreten, mal hob man gleich in einer Böe ab, und downwind konnte man mit etwas Pech auch verhungern. Die Spitze machten natürlich die üblichen Angeklagten unter sich aus, Sven, Henning, Lumpi und Manfred wechselten sich fröhlich ab. Gleiches taten Gitta und ich auf etwas bescheideneren Rängen, mal hatte Gitta die Nase vor mir, mal umgekehrt. Einmal durfte ich sogar am Heck der Vorderen schnuppern, habe aber vor Aufregung, so weit vorne zu sein, natürlich alles wieder versemmelt! Die in der Mitte kämpften um die Mitte und Mark mit seinem wehen Fuß (Achilles). Mit Schmerzen läufts halt nicht so gut.

Nach dem Motto Dabeisein ist alles, hatten wir alle einen Riesenspaß, wenn da nicht die kleinen Dinge immer wären, die so passieren. Unser Freund Ingo G 414 nahm das mit dem weichen Mast wohl etwas zu genau, so dass ihm das gute Stück in einer am- Wind- Bö um die Ohren flog. Erst dachten alle an einen Crash, als sie den Haufen Material auf dem Eis liegen sahen. Verletzt wurde niemand! Bei mir verabschiedete sich der Schotblock an der Pinne- auch nett- wo ist denn der Bolzen vom Schäkel hin? Des Weiteren, gab es dort so einen ominösen, am Ort allseits berüchtigten Segler, der scheinbar bar jeder Vorfahrtregel seine Runden zog, mal als Regattamitsegler, der aber gar nicht mitgestartet ist, mal auch nur so, vornehmlich Gitta und mir manchmal zeitgleich die deutliche Vorfahrt nahm, und mir, zur Krönung meines Tages, an der Luvtonne direkt nach der gemeinsamen Rundung (wenn es voll auf Speed geht) so dermaßen vor den Bug fuhr, dass mein Schlitten in der Heckbö sich wütend aufstellte, mich fast abwarf, dann die Kufe wegrutschen ließ, einen perfekten 360er hinlegte, als sei nichts gewesen. Das war Gott sei Dank im letzten Rennen, mein Adrenalin hätte ein weiteres eh nicht mehr zugelassen.
Nach sieben Rennen wurde noch schnell der Schlei Pokal ins Eis gestanzt, der bestand aus noch einmal 4 Wettfahrten, in denen alles ähnlich verlief, wie bei der “Jungfrau“, die Rangfolge entnehmt bitte der Ergebnisliste.

   

Am Ende gab es noch phantastischen Kuchen von Ingela und ein reichhaltiges „Buffet“ aus allen Körben bevor die Preisverteilung stattfand. Tja, es scheint ein Generationswechsel stattzufinden: die Jungfrau, die sich schon in so berühmten Händen wie Peter Schellhorn, Hans Molter, Rainer Hinrichsen, Lars Koschinat und zuletzt Manfred Schreiber befand, ging nun an den jungen Sven Kraja. Applaus! Die Führung in der Damenwertung, (die Beteiligung lag immerhin bei 20%) blieb ebenfalls in Schleswig.
Alles in Allem ein phantastischer Eissegelabschluß am Saisonende- zumindest in Deutschland- nach 4 Wochen Dauersegeln!!! Die Schlei ist auch ein tolles Revier. Jetzt können wir endlich unsere Wunden lecken, die Schlitten reparieren, die Wohnung aufräumen, das Auto waschen, die Buchführung machen, die Konfirmation planen,……
Und nicht vergessen, nach dem Eis ist vor dem Eis….
I ce you
Susi G 999

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