Von Bernd Zeiger- G107

Der DN ist immer wieder etwas faszinierendes für mich, seit 1986 segel ich nun schon in der Klasse. Damals habe ich von Peter Schellhorn gelernt worauf es ankommt, heute ist Jeff Kent an meiner Seite, mit allen unseren Ideen zusammen machen wir deutliche Schritte vorwärts, auch für die Klasse. Grundsätzlich hasse ich es, wenn es länger als 20 Minuten dauert, einen Schlitten aufzubauen. Ferner hasse ich es inzwischen, nach einem Wochenende direkt zurück in die Werkstatt gehen zu müssen. Früher bei Pit waren wir fast jeden Abend für mindestens 3 Std. im Shop, heute habe ich selbst die Zeit nicht mehr.

Zum Glück sind die Materialien über die letzten 15 Jahre viel langlebiger geworden. Neben Jeff & Ron in den USA baut ja auch Ake sehr ausdauerndes Material, gefolgt von vielen Anderen. Interessant ist, das Jeff mehr auf high tech steht und Ron ausschließlich Holz-Holz verarbeitet, und Ron hat viele Regatten der letzten Jahre gewonnen. Genau hier ist die größte Herausforderung, macht „high tech“ wirklich Sinn oder ist es nur schön für die, die es mögen?

In der letzten Saison2002 konnte man mich schon fast Quacks nennen, bei der DM ist mir der Mastfuß rausgeflogen, der er nur eingeklebt war, bei der WM der Kufenhalter abgeschert weil ich die Schot nicht fieren konnte, war eingefroren und zu guter letzt habe ich dann zur SM noch mal ein Kufenblech verloren, keine Bolzen drin und mich selbst zerstört. Letztere Situationen waren nicht von Jeff produziert, er hat nur geschmunzelt ! Scheiß high tech habe ich gedacht, hier muß erst mal überdacht werden, wie so etwas gefertigt wird. Habe ich doch schon mit Schelli damals ´zig Kufen gebaut, etwas schwerer aber die sind nie kaputt gegangen- fast nie. Drei mal bin ich auf Grund dieser Entwicklung nach Boston geflogen, wir haben neue Kufen gebaut, Masten und Planken sowie Rümpfe wurden nebenbei produziert. Diese Saison habe ich ohne jeden Ausfall beendet- wow!.Nun folgend meine Impressionen der letzten 2 Saisons mit High – und low tech;

Rümpfe: 2001 haben wir bei Jeff den Prototyp des neuen Rumpfdesigns hergestellt. Ich habe diesen Rumpf dann im Oktober mit nach Europa gebracht und ausgebaut. Dieser Rumpf hat jetzt 2 Saisons gesegelt und keine Ermüdungserscheinungen. Im großen und ganzen kann man sagen, die neuen mit Kunststoff überzogenen bzw. moulded Hull´s sind pflegeleichter als die Holzboote, welches die Sache zwar einfacher macht, hier ergibt sich jedoch kein Vor- oder Nachteil. Die Rumpfdesigns haben sich in sofern etwas verändert, das entweder die Heckbereiche höher geworden sind oder auf dem Heck ein Distanzblock für die Blöcke aufgesetzt wird, um den Segelkomfort zu erhöhen. Man hat halt einfach mehr Platz zwischen Baum, Pinne und Körper zum arbeiten. Als Pinne benutze ich inzwischen eine Verstellpinne, welche bei einem Zusammenstoß nach vorn aus einem U- Schuh herausrutscht. Da die Pinne aus Carbon ist, ist diese Funktion wichtig.

Planken: Ich segel seid 3 Jahren eine Glasfaserverstärkte Planke von Ake, sowie eine Glasfaserverstärkte Planke von Jeff, welche etwas steifer ist und bei Schnee etwas mehr Druck im Schlitten entwickelt. Beide Planken sind so eingemessen, das die Kufen ca. 3° nach außen stehen, um mehr grip beim segeln zu erreichen bzw. mit stumpferen Kufen gesegelt werden kann. Die Planken biegen beide um die 38 mm mit Körpergewischt, reagieren jedoch unterschiedlich hart bedingt durch den Laminataufbau.

Masten: Masten sind nach wie vor die schwierigste Komponente beim DN. Ich benutze ein CSI- Zweiteiler, zwei Teile jedoch nur, weil ich oft mit dem Flugzeug unterwegs bin, sonst hat das keine Vorteile. Die Mastentwicklung ist besonders bei Ron, Jeff & Ake in den letzten Jahren massiv vorangegangen, so daß ein anfangsweicher Mast auch bei viel Wind und Spiegeleis nicht mehr bricht. Alle der o.g. Hersteller sind in der Lage, einen Mast auf Körpergewicht & Plankenbiegung zu produzieren. Selbstbauen halte ich an dieser Stelle nicht für sinnvoll, da man natürlich einen Mast bauen kann, aber 20 Stück zum testen bräuchte, plus Eis & Wind, daher haben die Produzenten mit durchschnittlich 60- 80 Masten pro Jahr hier ihre Vorteile.

Kufen: Kufen gehören meiner Meinung nach zu den wichtigen Teilen, genauso wie die richtige Auswahl der Stähle. Kufen kann jeder gut selbst bauen, entweder man kauft Body´s und klebt die Stähle selbst ein oder baut halt den gesamten Body. Wichtig ist hier nur bei Slotrunnern, nicht die Bolzen zu vergessen ! Wenn ich durch mein Trimmbuch der letzten Saison schaue, haben sich 2 Kufensätze herausgestellt; 4.8 mm 440C sowie bei viel Wind auch die 6.8mm 440C Kufen. Diese Sätze haben 70% aller Regatten gedient, zur DM wurden 4mm T´s gesegelt, zu NA auch einmal Stellite 5.0 mm. Mein Kufensortiment setzt sich wie folgt zusammen;
5 Stck. Plattenläufer, davon 3 schwarz von Bogdan Kramer und 2 weiches Niro.
3 Stck. kurze 5 mm Slots, 4301 Niro, gezogenes Material.
2 Stck. 4 mm T´s – auch normales Niro
2 Stck. 5 mm Stellite Stahl von Ake, CSI-Slot Body´s
2 Stck. 4.8 & 6.8mm 440C Slots von CSI
2 Stck. 6.0 mm Niro Slots, Stahl von Karol aus´87
1 Stck. 6.0 mm Niro Steuerslot
3 Stck. Winkel 100° Niro, 4301 weich.
Dieses Sortiment nutze ich jetzt seid 2 Jahren und ist meiner Meinung nach ausreichend, um alle Bedingungen abzudecken.

Segel: Die Segelentwicklung geht leider auch immer etwas weiter, neben unseren 1D-Sails entwickeln North-Sweden und Quantum-Detroit (vorher Doyle Boston ) maßgeblich in der Klasse. In der Saison 2001 hat North geschafft, ein Speedsegel zu bauen, welches perfekt auf die Eisbedingungen der Saison abgestimmt war. Wir hatten auf etwas langsamere Bedingungen konstruiert, welches besonders bei den Starkwindregatten in Haapsalu nicht von Vorteil war. Zur 2003 Saison haben wir ein neues Fspeed Segel auf den Markt gebracht, welches deutlich mehr Potential bei höheren Windbereichen hatte als andere Designs. Besonders die Euro hat diese Entwicklung bestätigt, da Thomas Karlsson zurück von North auf die 1D-Sails gesetzt hat. Ich konnte mit Thomas zusammen oft deutlich aus dem Feld heraussegeln, der Zweikampf kam einem Matchrace schon sehr ähnlich. Neben dem Fspeed setzen wir auf das Full Power Segel als Allrounder, bei medium Winden mit schnellem Eis findet auch das Speed Segel seinen Einsatzbereich. Da sich die Eisverhältnisse halt so schnell ändern, setze ich z.Z. auf das 3 Segel Programm: Fspeed-Speed-Full Power.

Leider hatten wir ja etwas Pech mit der Euro, aber bedingt durch den langen Winter bin ich sicher, dass die deutsche Flotte einen starken Auftritt zur Euro gehabt hätte, wenn nicht so viele Segler abgesagt hätten. Ein Grund mehr, zur Saison 2004 nochmals gut vorzubereiten, um die Stärke vielleicht dann zum Ausdruckt zu bringen. Auch ich merke deutlich, mit viel Training mache ich selbstverständlich weniger Fehler, und es kommt auf jeden cm nach vorn an! In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Sommer, und immer dran denken, der nächste Winter steht schon vor der Tür – get ready to go!
Bernd Zeiger – G107