Eigentlich hatte ich nichts anders gemacht als sonst, nur den Pö- See beobachtet, und als das Eis kam, Eisbericht an gewohnter Stelle für unsere Locals gepostet. Was dann kam, war`n Ding!
Ich konnte mich vor Anrufern nicht mehr retten- aus Norddeutschland-okay, aus Berlin- nanu, aus Holland (etliche!) hä? Was geht denn hier ab? OK, ein paar Leute hier, wäre ja ganz nett. Irgendwann habe ich sie dann nur noch zum Goldbergsee weitergeschickt, denn der ist ja nun wirklich etwas größer! Ich kam mir vor, wie die norddeutsche Eissegelzentrale.

Als dann klar war, dass der Goldbergsee zu wenig Eis hatte, rollte der Tross bei uns an. Strahle Sonne, Spiegeleis, um 14.00 Uhr waren wir mit ein paar holländischen Kollegen hübsch am Segeln, da kam es, wie es kommen musste: irgendein Hajo aus dem Dorf informierte mal wieder die Polizei, dass ein paar Lebensmüde auf dem Eis ihr Ebensolches aufs Spiel setzten! Die Polizei rückte an, die Uniformierte Kollegin stand mit hochgezogenen Schultern, verständnislosem Gesicht und die Hand immer an der Taschenlampe auf dem Steg, derweil der Kollege auf dem Eis mit den Holländern diskutierte und die Schlittschuhläufer vom Eis komplimentierte. Da ich kein Bock auf derartige Diskussionen hatte, stülpte ich mir meinen Helm über und wollte mich unauffällig Richtung Seemitte verpieseln, als ich ziemlich rüde ange“hey“t wurde. „Ja was „hey“! Ist Eissegeln jetzt auch schon verboten?“
Lange Rede- kurzer Sinn- große Diskussionen, Palaver über Eisdicken und deren Messung, „Eisfreigabe“, Sicherheitsausrüstung und Feuerwehreinsätze. Das Beste Argument hatten unsere holländischen Gäste: In Holland kann einen nur die Wasserschutzpolizei von Eis holen!!! Irgendwann gaben sie dann auf und wir konnten weitermachen.
Nachts knackiger Frost, Samstag 9 cm, super. Dann die Schocknachricht: “nirgends woanders segelbares Eis, zu dünn, zu warm, zu weit weg.“ Wir kommen alle an den Pö See. Alle heißt, ein paar übliche Verdächtige, die ich sonst nur aus Regattalisten oder vom Grünkohlessen kenne.
Nach einem hektischen Frühstück war ich mehr damit beschäftigt, die anreisenden über Parkmodalitäten, Kurparkwiesen und Privatstege aufzuklären, als selber aufzutakeln. Als dann endlich ca. 25 Dn´s, 10 Eissurfer, 50 Familien mit Schlittschuhen (ist das Eis denn freigegeben?), 30 Jugendliche mit Eishockeyausrüstung und Musikbox mit Housemusic auf dem sonnigen Eis waren, mussten wir leider feststellen, dass die heutigen Disziplinen wohl aus Schlittenwettschieben und Sonnenbaden bestehen würden. Aber Fachsimpeln ist auch schön. Die Holländer fuhren dann mal eben nach gegenüber in Pönitz zum Kuchenessen, auch nett! An sonsten fand Nachbarschaftspflege auf dem Eis statt.
Schade nur für die, die Sonntag keine Zeit mehr hatten, denn dann kam der Wind, und der Schnee. Mark sagte:“ Schnee macht nichts, wenn´s nicht zu viel ist. Oh- es ist viel“ Egal. Starke Böen rüttelten in den hohen Baumkronen, der Takelplatz liegt im Windschutz ablandig.
Da uns in der Vornacht ein paar Horrorclowns ein Loch im Eis vorm Seezugang beschert hatten, und die Menge der Menschen am Sa. Auf dem Eis für reichlich Frischwasser auf selbigem sorgten, mussten wir „alternative Fakten“ schaffen, den Zugang sperren und wilde Schneisen durchs Schilf zu den Booten schaffen, um Wathosen zu vermeiden.
Schnell wurde klar, bei der Menge des Windes, der Segler und der nicht vorhandenen Größe des Sees und der Tatsache, dass unsere angereisten Regattafreaks um Manfred und Lars Koschi einfach Wendemarken brauchen, wie die Luft zum Atmen, dass ebensolche aufgestellt werden müssten. Da Mark (fast) alles im Keller hat, waren zwei Wendemarken schnell organisiert und ausgebracht und fast alles bretterte Richtung Pönitz nach Lee.
Theoretisch hatte ich die Hosen voll wegen des Windes, und als „Normalo Hin Und Her Segler“ dachte ich mir, ach lass die mal alle. Aber eigentlich- und ich habe ja jetzt so tolles Material, – und überhaupt, – ach schei…drauf, ich fahr jetzt einfach hinterher, abfallen und Segel dicht, mehr als zerreißen kanns mich ja nicht, und jiiäääaahhh, ich habe es geschafft und stehe mit an der Startlinie und vor meiner ersten kleinen (Trainings-)Regatta. Der See auch! Geil!
Ich bin heut der Rookie hier, lasse beim Start lieber alle vorneweg, konnte aber mit Höhelaufen ein paar Plätze gutmachen. Ha- das ist MEIN See! Ich weiß, wo man hochziehen kann. Ich verrecke dafür aber später auf dem Vorwind. Blöd. Am Ziel Manöverkritik von Freund Manfred und viele Tips. Dann läufts plötzlich besser- am Ziel stehen nur Manfred und Lars. Wo sind denn die anderen- haben die Pause gemacht? Nee, Du bist 3.!! WAS?
Das familieninterne Duell nach 6 Rennen endet 4 zu 2 für Mark, aber das war doch schon mal was. Das Erlebnis meines Tages wird eine monsterbratzenmäßige Rundung der Luvtonne auf zwei Kufen werden, bei der leider niemand mit einer Kamera zugegen war…… So gibt´s leider nur langweilige Standfotos, da wir ja alle segelten.
Plötzlich war der Lars weg, ja, der holt sich ein .Full Power Segel (wo wir ja alle nur mit Speed Segeln rumschnullerten), und andere Kufen (er ist gefrustet), der Abstand zu den anderen Seglern war wohl zu eng! Ja, so kennen wir ihn.
Mark dreht einen 360iger, eine Fast Kollision zweier Segler fand, Gott sei Dank, knapp nicht statt, der größer werdende Ententeich gleich nach dem Start steuerbord blieb nur hübsch anzusehen (fei nach dem Motto: wer zuerst wendet geht nicht baden), es gab den von unseren „ Freunden und Helfern“ vorausgesagten Feuerwehreinsatz NICHT und die Zuschauer in Pönitz am Hotel „Pesel“ dachten, sie wären im falschen Film, aber waren begeistert, ebenso die Dorfschaft Klingberg vom Anblick des Regattageschehens. Sowas gab´s hier noch nie!!
Geht doch! Klein, aber fein! Es war für alle ein unglaublich tolles Wochenende, ich glaube, ich spreche hier für viele, bin infiziert vom Regattavirus (an dieser Stelle nochmals Dank an Manfred und Lars für Trimm-und Segeltips), es wurden Eissegler ge- und verkauft, die Holländer hatten Monsterspaß, es dreht sich was. So soll es sein!
Jetzt hoffen wir, dass das Eis durchhält (es stehen noch 5 DN´s auf dem Eis) es mehr friert als wegtaut, damit es vielleicht noch mal abgeht…
Aloa Susi